Um Euch einen kleinen Einblick in die Kultur der Maori zu verschaffen, habe ich eine Zusammenstellung von Legenden übersetzt. Szenen dieser Erzählungen tauchen im Alltag der Maori immer wieder in Wort und Bild, Musik und Kunsthandwerk auf.

Ich hoffe ich kann hiermit Euer Interesse wecken:

 

 

 

Vor aller Anfang da war alleine Io, Io der Elternlose, Io der Endlose, Io der Zeitlose, Io der Grenzenlose.
Er bewegte sich und das große Nichts war geboren. In einem spiralförmigen Lauf folgte es sich und suchte. Es fand Herz und war entflammt. Es dachte so wie es ein Verstand tut. Es ersehnte so wie es Träume tun. Es nahm Gestalt an und atmete. Und in einer Sekunde, die eine Millionen Jahre war, vervielfachte es sich und wuchs. Um ein Schatten zu werden. Eine Schwärze. Eine Nacht. Eine trächtige Nacht. Eine Nacht die geschaffen war das Alte zu gebären.

Da war Ranginui, das Männliche, himmelsgebunden und aktiv. Da war Papatuanuku, das Weibliche, landgebunden und passiv. Sie atmeten zusammen wie Liebende und in der Nacht, die kein Ende kannte, waren ihnen siebzig mächtige Söhne geboren. Da war Whiro der Herrschende, dessen Zorn wie eine Axt an einem Baum war, und Tawhiri der mit den Elementen verbundene, dessen Atem der Wind selbst war. Da war Tangaroa der Meere, dessen unbarmherzigen Wellen das Land ausstemmen würden. Da war Tu das Rotgesicht, durch dessen Hand die Menschen Krieg lernen würden, und Turungu der Milde, der die Basis für Frieden bereiten würde. Da war Haumia der Üppige, der Herr über die Früchte der Erde war, und Ruaumoko der Letztgeborene, dessen kleinste Bewegung die Erde selbst zum Beben und Zittern bringen würde. Schließlich war da Tane der Bedächtige, dessen Taten die Welt und all ihre Teile erschaffen würde.
Es war Tane, der seine Eltern trennte um oben den Himmel und darunter das Land zu schaffen. Und als die Tränen seiner trauernden Eltern die Welt erfüllten, drehte er seine Mutter, um Ranginui davon abzuhalten in ihr Gesicht zu blicken und an ihre Trennung erinnert zu werden.
Tane brachte Licht in die Welt indem er Sterne in den Himmel, die Sonne in ihren Zenith und den Mond unterhalb seines Vaters Kopf anbrachte. Er baute das erste edle Haus und es blieb bis zu diesem Tag das Muster, nach dem alle Heime gebaut werden. Er füllte es mit dem Wissen der Götter, das er vom Gipfel des Himmlischen auf Anweisung Io des Schöpfers selbst gewann. Er schuf die Bäume, die Vögel, die Insekten und die Fische, um seine Mutter, die Erde, zu kleiden und zu verzieren. Schließlich erschuf er den ersten Menschen, eine Frau, von der alle Menschen stammen. Die Welt des ewigen Lichts, wo alles Sein zusammen eine Familie bildete, egal wer oder was, war geboren.

Viele Male stritten sich Sommer und Winter in ihrer Rivalität bevor Maui, halb Mensch, halb Gott, der Welt geschenkt wurde. Von einem priesterlichen Alten, Tamanui, aufgezogen, wurden ihm die Geheimnisse des Universums offenbart: Die Verwandtschaft, die zwischen allen Dingen existierte, die ihm erlaubte die Form des Baumes, des Vogels, des Fisches und der Eidechse anzunehmen. Er wurde ein Meister verschiedenster Dinge und kehrte zu seiner Familie zurück bereit alles zu erobern.
Mit furchtlosem Herzen sicherte er sich den magischen Wangenknochen der Weisheit von seinem Vorfahr, der alten Murirangawhenua. Und mit diesem fing und verlangsamte er die Sonne, die keinerlei Gedanken an die Bedürfnisse der Menschen verschwendete wenn sie nach eigenem Belieben über den Himmel zog. Er machte den Menschen Feuer zugänglich indem er die allerletzte Flamme von Mahuika dem Flammenhüter dazu brachte in das Kernholz des Baumes einzubrennen. Er besuchte den Weltgeist, um seinen Vater zu finden und vor seinem Tod in den Händen der Todesgöttin, Hine-nui-te-po, fischte er diese heiligen Inseln.

Maui benutzte den heiligen Wangenknochen als seinen Haken als er rastlos seinen gigantischen Fisch aus den Tiefen von Te Moananui a Kiwa, dem Pazifischen Ozean, holte. Aber als er den Göttern für dieses wunderreiche Geschenk, das sie ihm gegeben hatten, Dank sagen wollte, machten sich seine Brüder mit Gier in den Augen und Lügen auf der Zunge über den Fisch mit ihren Messern her. In seinen Todschmerzen wurde er zerschnitten und in Fetzen gerissen, in Schluchten, Hügel und Berge. Im Laufe der Zeit wurde der Fisch die Nordinsel von Neuseeland während Mauis Kanu die Südinsel wurde.

Der Kopf des Fisches ist unsere Hauptstadt, Wellington. Die Gebirgszüge, die sich über die Mitte des Landes ziehen, ist sein Rückrat. An den östlichen Küsten und an den westlichen zu Taranaki können seine Finnen gesehen werden. Der Magen ist Lake Taupo während sein Herz in Maunga Pohatu in den Urewas liegt. Northland ist der peitschende Schwanz des Fisches. Von Spitze zu Spitze, von Fisch zu Kanu, können die Myriaden von Extremitäten des einst jungfräulichen Landes gesehen werden.

Und viele Jahrhunderte später, als Kupe mit seiner Familie und Frau auf diese nebelumwobenen und wolkenverhangenen Inseln kam, nannten sie diese Aotearoa, Land der langen weißen Wolke.