Um Euch einen kleinen Einblick in die Kultur der Maori zu verschaffen, habe ich eine Zusammenstellung von Legenden übersetzt. Szenen dieser Erzählungen tauchen im Alltag der Maori immer wieder in Wort und Bild, Musik und Kunsthandwerk auf. Ich hoffe ich kann hiermit Euer Interesse wecken: |
| Vor
aller Anfang da war alleine Io, Io der Elternlose, Io der Endlose, Io
der Zeitlose, Io der Grenzenlose. Da
war Ranginui, das Männliche, himmelsgebunden und aktiv. Da war
Papatuanuku, das Weibliche, landgebunden und passiv. Sie atmeten zusammen
wie Liebende und in der Nacht, die kein Ende kannte, waren ihnen siebzig
mächtige Söhne geboren. Da war Whiro der Herrschende, dessen
Zorn wie eine Axt an einem Baum war, und Tawhiri der mit den Elementen
verbundene, dessen Atem der Wind selbst war. Da war Tangaroa der Meere,
dessen unbarmherzigen Wellen das Land ausstemmen würden. Da war
Tu das Rotgesicht, durch dessen Hand die Menschen Krieg lernen würden,
und Turungu der Milde, der die Basis für Frieden bereiten würde.
Da war Haumia der Üppige, der Herr über die Früchte der
Erde war, und Ruaumoko der Letztgeborene, dessen kleinste Bewegung die
Erde selbst zum Beben und Zittern bringen würde. Schließlich
war da Tane der Bedächtige, dessen Taten die Welt und all ihre
Teile erschaffen würde. Viele
Male stritten sich Sommer und Winter in ihrer Rivalität bevor Maui,
halb Mensch, halb Gott, der Welt geschenkt wurde. Von einem priesterlichen
Alten, Tamanui, aufgezogen, wurden ihm die Geheimnisse des Universums
offenbart: Die Verwandtschaft, die zwischen allen Dingen existierte,
die ihm erlaubte die Form des Baumes, des Vogels, des Fisches und der
Eidechse anzunehmen. Er wurde ein Meister verschiedenster Dinge und
kehrte zu seiner Familie zurück bereit alles zu erobern. Maui benutzte den heiligen Wangenknochen als seinen Haken als er rastlos seinen gigantischen Fisch aus den Tiefen von Te Moananui a Kiwa, dem Pazifischen Ozean, holte. Aber als er den Göttern für dieses wunderreiche Geschenk, das sie ihm gegeben hatten, Dank sagen wollte, machten sich seine Brüder mit Gier in den Augen und Lügen auf der Zunge über den Fisch mit ihren Messern her. In seinen Todschmerzen wurde er zerschnitten und in Fetzen gerissen, in Schluchten, Hügel und Berge. Im Laufe der Zeit wurde der Fisch die Nordinsel von Neuseeland während Mauis Kanu die Südinsel wurde. Der Kopf des Fisches ist unsere Hauptstadt, Wellington. Die Gebirgszüge, die sich über die Mitte des Landes ziehen, ist sein Rückrat. An den östlichen Küsten und an den westlichen zu Taranaki können seine Finnen gesehen werden. Der Magen ist Lake Taupo während sein Herz in Maunga Pohatu in den Urewas liegt. Northland ist der peitschende Schwanz des Fisches. Von Spitze zu Spitze, von Fisch zu Kanu, können die Myriaden von Extremitäten des einst jungfräulichen Landes gesehen werden. Und
viele Jahrhunderte später, als Kupe mit seiner Familie und Frau
auf diese nebelumwobenen und wolkenverhangenen Inseln kam, nannten sie
diese Aotearoa, Land der langen weißen Wolke. |