04. - 05.07. 2003

Waitomo

 

Freitag, 4. Juli 2003

Raglan - Waitomo

Bericht zur Galerie

Heute morgen waren wir wieder früh auf den Beinen, denn es hieß Sachen packen, noch einmal die gemütliche Küche und Aufenthaltsraum zum Frühstück genießen. Und dann gings los. Unser Ziel: Waitomo.
Kurz nach Raglan bremste uns aber erst mal ein Auto ab. Es hatte ein großen Schild mit dem Wort “Stock“ vor der Motorhaube angeheftet und kurz daraufhin sahen wir eine ganze Kuhherde die Straße entlang tappen. Mal galoppierte einem neben unserem Auto her, mal schritt eine vor unserem Auto und versperrte die Straße, auf der wir nun nur noch sehr langsam voran kamen. Die Herde schien kein Ende nehmen zu wollen. Spannende Sache! Als wir die Herde schließlich passiert hatten, zweigte alsbald auch die Straße nach Kawhia ab, die wir nehmen wollten.
Nun war es an der Zeit, dass auch ich einmal hinters Lenkrad durfte. Und etwas komisch war es schon: Nicht nur, dass ich seit langem wieder mal Auto fuhr. Nein, auch die Gangschaltung war auf der falschen Seite. Wenn ich den Blinker betätigen wollte, ging der Scheibenwischer an und zu allem Überfluss musste auch noch links gefahren werden.
Zum Glück hatten wir nach wenigen Kilometern unseren ersten Zwischenstopp erreicht: Die Bridal Veil Falls, die in einem starken, relativ dünnen Strom 55m in die Tiefe stürzten. Da uns die Aussicht von oben nicht genügte, die Abseilstelle ohne Equipment hinterlassen wurde, wählten wir die Stufen, die hinab zum Becken führten. Hier machte sich mein Muskelkater, den ich durch die gestrige Wanderung mir zugezogen hatte, schmerzlich bemerkbar: In meinen Oberschenkeln brannte es und dazu hatte ich auch nur noch Schuhe mit durchgebrochener Sohle an, da meine Wanderschuhe noch feucht von der Putzaktion waren, und musste somit mit diesen über den feuchten bis matschigen Waldboden laufen. Ich sollte mir also schleunigst ein Ersatzpaar zulegen...
Unten angekommen sah man den Wasserfall in seiner vollsten Pracht. Die Schmerzen hatten sich gelohnt. Nur das Wasserbecken sah nicht gerade einladend zum Schwimmen aus obwohl der Lonely Planet es empfehlen kann – wahrscheinlich an heißeren Tagen als diesen.
Nachdem wir den Parkplatz wieder verlassen hatten, wurde die Straße zur Schotterstraße. Franz ging es teilweise vielleicht ein wenig zu rasant und der Graben war ihm ab und zu zu nahe. Aber ich muss sagen, ich hatte eigentlich alles unter perfekter Kontrolle. Der Arme war es nur nicht gewöhnt als Beifahrer links zu sitzen.
So ging es durchs idyllische Hügelland: Saftiges grünes Gras mit weißen und schwarzen Punkten ähh Schafen und Kühen wohin das Auge blickte. In Tälern schlängelten sich Bäche entlang. Meeresbuchten erstreckten sich weit ins Inland.
Überraschend kam aber die 4WD Lehmstrecke mit Schotterhügeln – eine Baustelle -, die dem Auto doch einiges abverlangte. Doch kurz vor Kawhia gab es dann den erlösenden Teer.
Kawhia selbst ist ein kleines nettes Dörfchen, vor dessen Fish & Chips Shop die Maori Dorfältesten noch tratschten, lästerten und lachten, aber auch freundlich zurückgrüßten wenn man vorüberging.
So gönnten wir uns hier eine große Tüte Fish & Chips zum Mittag, spazierten zum kleinen Hafen und meinten in der Ferne das Marae zu entdecken, hinter dem das Tanui Kanu begraben liegen soll, mit dem der hiesige Maori Stamm einst nach Aotearoa gesegelt sein soll. Eine höchst heilige Stelle!
Kawhia liegt in der gleichnamigen Meeresbucht, die nur durch eine Enge mit der tasmanischen See verbunden ist, so dass zuerst das Tanui-Volk später Captain Cook den Eingang ganz übersahen. Erst als die Leute auf dem Tanui Kanu von Süden her wieder heraufsegelten, fanden sie hier das ihnen prophezeite Land.
Nachdem wir die geschichtsträchtige Stimmung in uns aufgesogen hatten, ging es weiter auf kleiner, aber geteerter Straße durchs wunderbare Land. Nach weiteren 40km waren wir auf der Straße nach Marokopa angekommen, die östlich von Waitomo ans Meer nach Marokopa führte und auf der es zahlreiche natürliche Sehenswürdigkeiten zu bewundern gab. Von westlicher Richtung kommend („von hinten“) besuchten wir zuerst die Marokopa Falls. Ein bezaubernder Wasserfall, der breiter als die Bridal Veil Falls über zahlreiche Kaskaden 33m in die Tiefe stürzte. Weiter ging es zur Piripiri Cave, eine nicht kommerziell genutzte Limestone (Karst) Höhle, die man erkunden kann. Da unsere Taschenlampe nicht die stärkste ist und unsere Wanderschuhe nicht einsatzbereit waren, ließen wir uns auf dieses Abenteuer nicht ein – ein wenig unsicher, ob das nicht gefährlich sein könnte. Wir waren eh überrascht, dass diese Höhle so frei zugänglich ist und der Besucher aufgemuntert wird sie auf eigene Faust zu durchforschen.
Der nächste Stopp wurde an der Mangapohue Natural Bridge gemacht, einem 17m hohen Karstbogen, der sich über den gleichnamigen Bach spannt. Der Bogen ist alles, was von einem früheren Höhlensystem, das wohl irgendwann mal einbrach, übrig geblieben ist.
Wir folgten dem Weg in der Schlucht und waren fasziniert von den Steingebilden und Pflanzen, der Bridge ganz zu schweigen: Stalaktitenartige Gebilde hingen hoch über uns. Ausgewaschener Stein am Flussbett. Licht, das von der anderen Seite in die Schlucht durch die Brücke fiel.
Hundegebell und Kommandopfiffe lockten uns nach einiger Zeit weiter. Wir standen nun in Mitten eine märchenhaften Gegend. Schafe grasten auf den angrenzenden Hügeln, in der Ferne versahen die Hirtenhunde ihre Arbeit. Der Bach, der durch die Brücke führte, mäanderte friedlich zwischen den Hügeln, Bäume warfen Schatten in dieser abendlichen Zeit.
Der Weg führte uns zu 30Mio Jahren alten Austerfossilen, die im Limestone verewigt wurden.
Ein wunderbarer Spaziergang.
Danach fuhren wir auf direkten Weg nach Waitomo. Wir hielten NICHT an einem (der tausenden) überfahrenen Possums (?), auf dem wieder einmal ein Greifvogel saß (NZ-Falke). Das nächste mal aber bestimmt, laut Franz. Dann wird ein Foto gemacht!
Kurz vor Waitomo genossen wir den Blick von einem Aussichtspunkt, von dem man weit ins Land sehen konnte. Doch so richtig konnten wir Berge und Hügel nicht zuordnen. Haben wir Tongariro & Ruapehu, Taranaki gesehen? Glaube nicht.
Nun sind wir wieder in einem Backpacker. Sind nicht so zufrieden wie mit dem in Raglan ... aber wir sind ja auch verwöhnt!!!

 

 

Samstag, 5.Juli 2003

Waitomo-New Plymouth

Bericht zur gleichen Galerie

Heute morgen waren wir wieder etwas früher auf den Beinen. Schnell wurde ein Müsli 'reingezogen'. Dann ging es zur Waitomo Glowworm Cave. Kaum etwas war los. Wir dachten: Natürlich, wir haben ja Nebensaison Winter.
Deshalb bestand unsere Führung dann auch aus 3 Leuten und dem Guide. Die Höhle war ein Erlebnis: Jahrmillionenalte Stalagmiten ('might reach the top') und Stalaktiten ('tight from above') in prächtigen elfenbeinfarbener Gestalt. Da unsere Gruppe so klein war, führte unsere Führerin uns sogar in einen Teil der Höhle, die nur wirklich sehr kleinen Gruppen vorbehalten ist ('Also, nicht einmal Euren Familien weitersagen!') und dort gab es eine besonders prächtige Tropfsteinformierung. Leider haben überall in der Höhle Besucher ihre Spuren hinterlassen. Am Anfang des letzten Jahrhunderts brachen sie sogar einige Stalaktiten ab – als Andenken. Unfassbar, wenn man bedenkt wie viele Jahre diese brauchen, um zu wachsen. Doch das war man sich damals noch nicht bewusst. In unserer Zeit gibt es andere Gefahrenquellen, u.a. Hände, die die Steine berühren und somit (v.a. durch Hautfette) die Steine beschädigen können und CO2, dass wir ja ständig ausatmen. Und durch eine solch intensive Höhlennutzung, wie der hiesigen in Waitomo sind Kontrollmaßnahmen schwer notwendig geworden.
Die Kathedrale der Höhle (so wird i.d.R. immer die größte und höchste eines Höhlensystems genannt) hat so eine gute Akustik, dass eine berühmte neuseeländische Opernsängerin sogar Aufnahmen hier machen lies. Außerdem ist die Höhle einer der sichersten Plätze während eines Erdbebens, da der Karst die Schwingungen absorbiert.
Dann gab es eine kurze Einführung in Sachen Glühwürmchen, damit wir dann, bewusst worunter wir uns wagen, in ein Boot steigen konnten, das noch mit einer Reisegruppe Asiaten aufgefüllt wurde und mit dem wir dann auf den unterirdischen Fluss umher glitten. Ganz leise (da der Großgruppe fälschlicherweise gesagt wurde, dass Glühwürmchen Lärm nicht vertragen, um sie ruhig zu halten) zog unser Guide uns an gespannten Seilen durch die Dunkelheit. Und da sahen wir sie: Millionen von Lichtern an der Höhlendecke, wie die Sterne der Milchstraße. Wunderbar anzusehen und schön... solange man sich nicht vorstellte, was das genau ist.
Auf dem Weg nach draußen begegneten uns nur noch Großgruppen. Vor dem Höhleneingang staute es sich sogar. Am liebsten hätte ich laut losgelacht: Was hatten wir für ein Glück die frühe Führung bekommen zu haben. Vor dem Eingang wurden eifrig weitere Busladungen angekarrt...
Nachdem wir dem Museum of Caves einen Besuch abgestattet und in der sonnigen Kälte uns gestärkt hatten, ging es zum Ruakuri Natural Bridge Reserve – wenige Kilometer vor Waitomo, wo wir einen kleinen Rundweg abgingen, der einem Flussbett folgte, dessen Wasser sich durch den Karst gefressen hatte, was bizarre Schluchten und Höhlen und wieder eine Naturbrücke, durch die der Waitomo fliest, hervorgebracht hatte.
Danach verließen wir Waitomo. Eines der angepriesenen aktionsreichen Attraktionen, wie z.B. Black Water Rafting, konnte uns diesmal nicht locken, da die Kälte das Durchwaten von eiskaltem Höhlenwasser nicht gerade attraktiv machte.
Kurz besuchten wir die Touristen Info in Otorohanga, aber das Kiwihaus wurde, v.a. wegen Abratens aus guter Quelle, nicht besucht.
Dann ging es in Richtung Süden.
In Te Kuiti gab es eine Statue eines Schafscherers mit Schaf, die ihn bei seiner Arbeit darstellte. Te Kuiti vermarktet sich selbst als 'Sheering Capital of the World', da u.a. mehrere Weltmeister darin von hier stammen. Diese schaffen bis zu 804 Schafe täglich – was ein ganz schöne Anzahl ist. Wissenswert ist ebenfalls, dass Neuseeland 25% des weltweit benötigten Bedarf an Schaferzeugnisse produziert.
Die Straße, der wir folgten war der SH3 – die Hauptverbindungsstrecke Auckland-New Plymouth – und war gut ausgebaut und angenehm zu befahren. Schön ist es natürlich, wenn es außerdem noch klappt, dass man durch tolle Landschaften fahren kann, so wie es hier der Fall war. Erstaunt hat uns der Schnee, der auf einige Hügel gefallen war. Aber die Luft war ja auch bitterkalt! Grotesk wurde es als wir durch eine Gegend fuhren, in der sogar Schnee auf Palmen lag.
Im Backpacker in New Plymouth erzählte man uns dann, dass es sogar der kälteste Wintertag seit Jahren war und mehr Schnee lag als seit langem...
Leider geht die Kälte ein wenig aufs Gemüt, v.a. weil auch der Backpacker recht kalt ist und es richtig zieht. Das Feuer im Aufenthaltsraum konnte die Luft nicht aufwärmen. Doch zum Glück haben wir diesmal im Zimmer eine Heizung!